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Nietzsche nieste

Angenommen, nicht nur der Lärm der Strasse weicht der Stille, sondern auch die ständige Bilderflut kommt zum Erliegen. Auf dem elektronischen Gerät gibt es keine Antworten mehr, nur noch leere Flächen, mit «der Leuchtkraft aller Farben»(1) als Platzhalter. Kann sein, dass das Gerät defekt ist, der Empfang schlecht, die Linie Corona bedingt überlastet, oder dass es für Nietzsches Aphorismen einfach keine schnellen Bilder gibt. Wie auch immer.

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(1) Friedrich Nietzsche. Brief an Meta von Salis. KGB III 5, p. 410


2020
Valentin Arens


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Kunstwerk(e)

Nietzsche nieste (2020)
Valentin Arens
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Nietzsche jedenfalls wählte das Oberengadin als seinen Rückzugsort, als Ort der selbstauferlegten Isolation, «6000 Fuss jenseits von Mensch und Zeit»(2). Die «scharfen Lüfte»(3) der Bergwelt fegten alte Vorstellungen und Bilder hinweg. Sie kitzelten die Nase, die «seligen Nüstern»(4) und Nietzsche nieste – vermutlich nicht in seine Armbeuge. Das Neue, das sich so Bahn brach, formulierte er in «Die fröhliche Wissenschaft» und natürlich im «Zarathustra»: Zeugnisse einer erwanderten Quarantäne.

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(2) Ecce homo, Also sprach Zarathustra, KSA 6, p. 335
(3) Also sprach Zarathustra. Berlin 2016, p.152
(4) ebd.



Fine Art Print auf Papier
Inkjet Print
96 cm x 54 cm

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Nietzsche nieste (2020)
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Acryl, Kreide auf Fine Art Print auf Papier
Mischtechnik
96 cm x 54 cm

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Nietzsche nieste (2020)
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Wenn sich aber die Farben ekstatisch ausbreiten und über die monadischen Ränder alter Antworten wuchern, muss das nicht bedeuten, dass sie einer Umnachtung geschuldet sind, wie bei Nietzsche. Sie folgen hier nur einer eigenartig euphorisierten Langeweile, die in der Isolation manchmal überhandnehmen kann, fast wie ein Virus.
Video
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variabel

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