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Die Zeit und die Einsamkeit

Bevor die Pandemie die Schweiz erreichte, hatte ich mich bereits gefragt, wie unser Leben während einer Zwangsisolation sein könnte. Ich hatte mir insgeheim, und rückblickend auf eine sehr naive Weise, verschiedene Szenarien ausgemalt. Doch als der 16. März kam, wurden all diese Szenarien innerhalb kürzester Zeit von einer Vielfalt von Gefühlen, Emotionen und Empfindungen weggefegt, die ich noch nie zuvor erlebt hatte und die meine elementarsten täglichen Bezugspunkte durcheinander gebracht und neu definiert haben. Die eingereichten Arbeiten erzählen in unterschiedlicher Form von diesem Verlust der Bezugspunkte.

2020
Denis Savi

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Kunstwerk(e)

I have a meeting (2020)
Savi Denis
Installation
Die Arbeit I have a meeting beleuchtet den andauernden Verlust des Zeitgefühls. Die Tage und Stunden scheinen ohne Konturen ineinander zu fliessen. Der einzige zeitliche Vergleichsparameter, der gültig bleibt, ist das Präfix «vor» zur Definition der Zeit vor dem Lockdown.
Uhr, Klebeband und Stempel
Mischtechnik
0.30 x 0.30 m

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Sic transit gloria mundi (2020)
Savi Denis
Installation
Diese Arbeit greift den scheinbaren Verlust eines der wichtigsten Prinzipien der Menschen in jeder historischen Epoche auf: der Freiheit. Die Tatsache, dass wir aufgefordert wurden, in der eigenen Wohnung zu bleiben, hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, dass das Wort Freiheit, das in unserem Leben vielfach als selbstverständlich vorausgesetzt wird und in unserer Kultur omnipräsent ist, zum Wohle der Gemeinschaft und uns selbst durch das Substantiv Abstand ersetzt werden könnte. Dass das Wort Abstand in der Zeit der Pandemie die Rolle eines wahren und einzigartigen Glaubensbekenntnisses einnehmen könnte, zu dem man sich bekennt und dem man folgt, und auf dessen Altar wir unsere Freiheit opfern müssen, um auf unsere eigene Rettung und die Rettung der ganzen Welt zu hoffen.
Bücher, Schiefertafel, Kerze
Mischtechnik
0.85 x 0.20 x 2.10 m

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What will remain? (2020)
Savi Denis
Performance
What will remain? fokussiert auf unser Konsumverhalten und wie wir damit umgehen. So hat der Lockdown auch unsere Art, wie wir Dinge kaufen, die nicht zu den unentbehrlichen Gütern gehören, verändert. Die Tatsache, dass man nicht einfach in irgendein Geschäft gehen konnte und viel Zeit zur Verfügung hatte, machte das Online-Shopping zu einem der wenigen möglichen Ventile, die den Menschen zur Verfügung standen. Durch den zwanghaften Impuls, wichtige und weniger wichtige Dinge zu bestellen, haben sich unzählige Schachteln, Paketen und Kartons in unseren Wohnungen aufgetürmt und so unseren Lebensraum weiter verkleinert.
Kartonschachteln
Fotografie
2.20 x 0.50 x 1.80 m

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Mio fratello è figlio unico (Mein Bruder ist ein Einzelkind) (2020)
Savi Denis
Foto
Mio fratello è figlio unico zeichnet das Gefühl der Isolation, der Einsamkeit und der daraus resultierenden Angst, mich zu verlieren, die mich fast drei Monate lang jeden Tag begleitet hat. Auf mich selbst zurückgeworfen und ohne die gewohnte Routine, habe ich mich verloren, hilflos und nutzlos gefühlt. Das ging so weit, dass ich mich am Morgen vor dem Spiegel gefragt habe, ob das ICH, das ich sah, mein wirkliches ICH war.
Fotografie
Fotografie
0.21 x 0.29 m

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Ohne Titel, in Arbeit (2020)
Savi Denis
Foto
Aufgrund der Angst mich zu verlieren, habe ich entschieden, mit Selbstporträts eine Art Fototagebuch zu realisieren. Dies mit dem Gedanken, die vielen Emotionen, die in diesen Wochen aufkamen, zu dokumentieren. Es entstanden 88 Fotos, die die Zeit zwischen dem 16. März und dem Mitte Juni abdecken.
Polaroid auf Holz
Fotografie
0.90 x 0.05 x 1.50 m

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