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Corona-Lindenbaum

Im Dorf oder auf Hügeln steht sie, die grosse Linde. Meist mit einer Bank ausgestattet, lädt sie so manche Spaziergänger*in zum Rasten ein. Im Schatten des Baumes wurden früher an Volksfesten getanzt, gesungen und gespielt. All das war während des Lockdowns 2020 und dem verordneten «Social Distancing» untersagt. Nun wurde sie gefällt, die Linde, die so manche Menschenansammlung erlebte. Der Bauer hat mir diesen Baum zum Bearbeiten angeboten, ansonsten wäre er wohl als Schnitzelholz zerhackt worden.

Vorweg, ein Lichtblick gibt es bei dieser Geschichte, hoffnungsvoll wächst nun ein neuer Lindenbaum, am Platz, wo der alte stand und wartet auf die nächste Generation.

2020
Karin Hofer


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Kunstwerk(e)

Ein zweites Leben (2020)
Hofer Karin
Skulptur
Da steht nun ein mächtiges Stück Lindenbaum in meinem Atelier. Einen Meter dreiundvierzig hoch und etwa achtzig Zentimeter Durchmesser. Das Lindenholz ist noch feucht und roh, als Holz für eine Skulptur eigentlich noch unbrauchbar. Für mich visualisiert es jedoch genau die Verunsicherung, das Schwere und Unüberschaubare in dieser Coronazeit.

So bearbeitete ich spontan, das noch feuchte Holz mit meiner Kettensäge. Figuren sind zu erkennen, sie scheinen mit der Dichte des Holzes zu kämpfen. Stecken fest, graben sich hinein oder stehen schauend da. Keiner kommt zum anderen durch. Etwa so fühlte ich mich während des Lockdowns, alles war irgendwie surreal.
Linde
Motorsäge
ca. 750 kg
0.8 x 0.8 x 1.43 Meter

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